From a review by Christoph Ledinger in Spieletest online, August, 2008.
Change ist englisch und bedeutet Wechsel, Tausch. Beim hier besprochenen Spiel Change Horses ist so einiges vertauscht gegenüber einem üblichen Spiel. So zum Beispiel das Spielziel: Bei diesem Wettrennen möchte man als Letzter ins Ziel kommen. Und der Aufbau der Anleitung zäumt das Pferd ebenfalls von hinten auf – die Aufzählung des Spielmaterials, üblicherweise am Beginn der Regel, findet sich erst auf der letzten Seite.
Jetzt wäre es natürlich fad, wenn jeder sein eigenes Pferd so langsam wie möglich reiten würde. Was bleibt als Option? Ganz klar! Wir wechseln die Pferde und treiben somit die Gäule der Konkurrenz in ungeahnte Geschwindigkeitsbereiche. Nun ja, ganz so einfach ist das nicht. Schließlich haben alle denselben Kartensatz, der alle Pferde gleich oft berücksichtigt.
Jeder hat eine kleine Auswahl von Karten, die er offen vor sich liegen hat. Gemäß der Zugreihenfolge (im Grundspiel zufällig verteilt, in der Expertenversion wird sie versteigert) spielt man eine Karte aus. Wenn alle eine Karte gespielt haben, werden die Pferde gezogen; aber nur solche, für die eine ungerade Anzahl von Karten gespielt wurde! In einer anschließenden Runde legt jeder eine Karte dazu und die Bewegung ergibt sich aus der Addition aller ausgelegter Karten. Erst jetzt wird die Auslage abgeräumt und die Handkarten ergänzt.
Wie bereits angesprochen: Mit seinem Pferd (wem welches Pferd gehört bleibt vor den Mitspielern geheim!) schnell ins Ziel zu kommen ist hier ein Kardinalfehler. Sieger wird, wer beim Zieleinlauf den hintersten Platz belegt. Unter Umständen kann dies ein neutrales Pferd sein, da es stets 6 Starter aber maximal 5 Jockeys gibt. Während des Spiels kann man allerdings auf ein anderes Pferd umsatteln, was aber eine wertvolle Jokerkarte kostet. Alternativ können Joker eingesetzt werden, um Bewegungskarten unwirksam zu machen oder die Positionen von Pferden zu manipulieren.
Aufgrund des ungewöhnlichen Ablaufes braucht man ein paar Minuten, um sich zu orientieren. Am Ende macht es aber doch allen Spaß.
Festzuhalten ist in jedem Fall, dass jene Spieler, die früher eine Karte legen müssen, einen deutlichen Nachteil gegenüber den hinten sitzenden haben. Da der Startspieler pro Runde um einen Platz wechselt, rutscht man nur langsam in eine andere Position. Spielen viele Personen mit, kann man im schlimmsten Fall nie als Letzter an der Reihe sein ehe es aus ist. Deshalb ist unbedingt die Variante mit Versteigerung der Spielerreihenfolge zu bevorzugen.
Das Spielmaterial ist in Ordnung, einzig die Spielanleitung wirkt recht konfus. Vor allem in den Sonderregeln für das Spiel zu zweit (das übrigens nur leidlich funktioniert; je mehr Spieler, desto besser) fühlt man sich ziemlich verloren.
Fazit:
Change Horses ist in jedem Fall ungewöhnlich. Das trifft auf den Spielablauf ebenso zu wie auf die Tatsache, dass sich der Verlag eggertspiele nach mehreren Jahren wieder auf das Terrain der Rennspiele wagt – in den letzten Jahren hatte er sich vor allem mit taktisch anspruchsvollen Spielen einen Namen gemacht. Taktik wohnt natürlich auch Change Horses inne, jedoch ist es wesentlich einfacher als andere Titel des Verlages.
Einen näheren Blick ist das Spiel allemal wert, egal ob für den Profi oder den Familienspieler.
© Christoph Ledinger
am 08.10.2008